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Bloggen ist anstrengend

Vor wenigen Tagen habe ich einen sehr tollen Blogpost von Carina gelesen, in der sie erklärt, warum sie gerade vom Bloggen tierisch genervt ist.

Und ich muss gestehen, Carina hat mir damit so sehr aus der Seele gesprochen, dass mir ihr Post seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht und ich jetzt nun meinen eigenen Senf dazugeben muss.

Ich finde das Bloggen aktuell sehr anstrengend.

Bisher habe ich nichts dazu gesagt. Bisher habe ich mich immer bei euch entschuldigt, wenn ich mal eine längere Zeit nicht da war. Und genau das ist auch irgendwie das Problem. Warum habe ich eigentlich das Gefühl, mich bei euch entschuldigen zu müssen? Für was? Ich habe euch schließlich nicht versprochen, euch in einer gewissen Regelmäßigkeit mit Beiträgen zu bedienen. Ich habe euch nicht versprochen, super ausgereifte Rezepte zu präsentieren. Dem Grunde nach habe ich niemandem etwas versprochen, ich bin also niemandem etwas schuldig. Nicht einmal mir. Aber warum fühle ich mich in letzter Zeit so? Was ist passiert?img_20170101_145038_220

Das hat mehrere Aspekte:

Aus irgendeinem Grund fühle ich mich enorm unter Druck gesetzt. Ich habe in den letzten Jahren viel Zeit und Geld in meine „Bloggerkarriere“ investiert. Habe an einigen sehr tollen Workshops teilgenommen und meinen Vorrat an Foodprops und Fotoequipment fleißig erweitert. Dadurch ist auch der Anspruch an mich und meine Bilder gestiegen (ich hatte aber schon immer ein Faible für Fotografie). Allerdings ist es mir dadurch nicht mehr möglich, Bilder einfach mal so aus der Hüfte heraus zu schießen (mit dem Handy etwa? No way!) und zu veröffentlichen. Alle Bilder werden einem kritischen Blick und einer Korrektur unterzogen.

Authentizität / Kooperationen:

Hach, was habe ich mich tierisch über meine erste Kooperationsanfrage gefreut. Das Produkt hat gepasst, der Vertrag hat gepasst (denn hier vertrete ich auch die klare Meinung, dass man sich auch als Blogger sein Arbeit bezahlen lässt), ich hatte Lust darauf. Punkt. Aber je mehr Anfragen kommen, desto mehr geht mir die Puste aus.  Ich glaube aber eher, dass das aktuell an meiner Sicht auf andere Blogs entspricht. Warum auch immer habe ich momentan den Eindruck, dass viele Blogs fast ausschließlich nur noch gesponserte Posts schreiben. Fast jeder Post enthält Werbung für irgendein Produkt. Das mag ja für den jeweiligen Bloginhaber eine lukrative Geschichte sein, aber ich finde, da geht so viel Authentizität verloren (z. B. wenn ein Blogger regelmäßig „Clean Eating“ und „Superhealthy Food“ predigt, dann aber eine Kooperation mit einer Firma eingeht, deren Produkte nur so vor Kalorien und Zucker strotzen…). Ich gewinne als Leser den Eindruck, dass es nur noch ums Geld und nicht ums Bloggen geht. Und genau das hinterlässt bei mir gerade einen faden Beigeschmack bei den Kooperationen. Ich möchte bloggen, worauf ich Lust habe und nicht, was mir mein Vertragspartner vorgibt. Klar, gegen ein kleines Zubrot ist nichts einzuwenden, aber so ein Post mit einem Kooperationspartner ist auch deutlich mehr Arbeit (nach dem Post kommt nämlich der ganze Papierkram von Rechnungen schreiben, Geldeingang prüfen bis hin zur steuerlichen Erfassung…). Weiterhin muss man ständig sein Mediakit auf dem Laufenden halten, um sich dem Kooperationspartner verkaufen und den Preis für einen Post verhandeln zu können.

Ich habe das Gefühl, dass es nur noch darum geht, mehr Follower und Leser zu erreichen. Aber was haben diese tausende von Lesern dann davon, wenn der Blogger ausgelaugt/ausgebrannt ist und nur noch seinen Posts und dem Geld hinterherhechelt?

Das Rechtliche:

Und vergessen wir mal den ganzen rechtlichen Aspekt von so einem Blog nicht. Man muss immer auf dem neuesten Stand der Dinge sein, was rechtliche Vorgaben und Urteile zu Verlinkungen, Impressum, Schaltung von Werbung, Kennzeichnung von Werbung, etc. betrifft. Mich schreckt die rechtliche Seite nicht ab (ich mache das den ganzen Tag beruflich, habe also kein Problem damit, Beamten- und Juristendeutsch zu lesen und umzusetzen), aber auch hier fühlt man sich deutlich gehemmt und eingeschränkt. Darf ich das so schreiben? Oder verlinken? Ist mein Impressum noch aktuell? Habe ich hier und da auch die richtigen Häkchen angeklickt? Befindet sich mein Blog rechtlich noch auf der sicheren Seite oder wird mich morgen irgendjemand anhängen, weil drei Worte auf meiner Seite falsch ausgewählt/gekennzeichnet/betitelt sind? Ich möchte mich einfach nicht jedes Mal bei einem Post fragen, ob ich damit nicht schon mit einem Bein im Knast sitze, weil ich irgendetwas nicht beachtet habe.

Zeit:

Ich frage mich häufig, wie jemand, der einen Vollzeitjob hat, noch regelmäßig mehrmals in der Woche bloggt. Ich bin oft unter der Woche so dermaßen platt, dass ich nach der Arbeit gerade noch in der Lage bin, mich in meine schicksten Jogginhosen zu schmeißen und etwas zu kochen (auf die Idee, das Essen zu verbloggen komme ich in dem Moment sicherlich nicht – zumal das Licht im Winter schlichtweg zu katastrophal für gute Fotos ist) und dann geht’s nur noch auf die Couch. Wie schaffen es andere bei Vollzeitjob und evtl. noch Kindern oder anderen privat sehr ausgefüllten Kalendern noch so regelmäßig zu bloggen? Hat der Tag 30 Stunden? Oder die Woche 10Tage? Wird hier die komplette Freizeit für den Blog „geopfert“? Wenn ich bedenke, dass ein durchschnittlicher Blogpost mehrere Stunden (4 Stunden und mehr (in der Gesamtsumme) sind keine Seltenheit) in Anspruch nimmt (einkaufen, kochen/backen, Set anrichten, fotografieren, Bilder bearbeiten, Post schreiben, in den Social-Media-Kanälen veröffentlichen, …), frage ich mich ernsthaft: wie machen die das? Das kann nicht nur eine Frage von guter Organisation sein.

Apropos Organisation: In letzter Zeit lese ich vermehrt Artikel über sogenannte Organisations-Tools, Blogplaner, Apps, etc., die das Bloggen supereffektiv machen sollen. Alles durchgestylt, organisiert, mit Checklisten zum Abhaken, Anzeige des Blogpost-Fortschritts und so weiter und so fort. Mir fällt dazu nur ein „Puh, was denn noch alles?“. Es wird einem so langsam aber sicher an allen Ecken suggeriert, dass man seinen Blog schlecht führt, wenn man nicht straff durchorganisiert ist.

Es gibt Instagram-Profile, die komplett durchdacht sind. Nicht nur, WAS man veröffentlicht, sondern auch in welcher Reihenfolge. Wehe, da postet man zwei Mal hintereinander ein Food-Bild. Nein, nein, nein! Das muss genau abgestimmt sein. Erst Food, dann Fashion, dann ein Buch, etwas Interior, ein Katzenbild, das obligatorische „Fette-Uhr-über-Beinen-am-Lenkrad-Bild“ und dann, ja, erst DANN wieder Food! Ansonsten wird der ganze Feed doch völlig durcheinander gebracht *oh Gott*. Ja, das mag vielleicht schön anzusehen sein, aber mir ist das einfach viel zu viel Aufwand. Wobei ich selbst auch möglichst weit von dem entfernt bin, was man einen Influencer nennen könnte. *haha*

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Wie geht’s jetzt weiter?

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe das Bloggen. Grundsätzlich. Aber momentan finde ich es auch sehr anstrengend. Das Bloggen ist mir viel zu pseudo-professionell geworden und ich möchte gerne etwas von der Leichtigkeit (und manchmal auch der Naivität) zurückhaben, mit der ich damals diesen Blog gestartet habe. Ohne Anspruch auf Followerzahlen oder den großen Gewinn damit zu machen (ja, ich habe sogar schon überlegt, mein Gewerbe wieder abzumelden). Ganz dorthin zurück werde ich allerdings nicht gehen (können). Dazu habe ich viel zu viel über das Bloggen gelernt und die ersten Bilder hier auf dem Blog sind auch nur noch peinlich (ja, wirklich!).

Aber genau das werde ich jetzt wieder machen. Ich schreibe wann ich will und worüber ich will.

Ich habe mir zum Beispiel gerade eine neue Nähmaschine gekauft und werde sicherlich demnächst stolz wie Oskar das ein oder andere Werk präsentieren. Generell habe ich gerade einen unbändigen Drang, etwas Kreatives zu erschaffen. Handwerken, Handarbeiten, Handlettering, Nähen, Malen, Basteln, …

Oder aber: Herr S. und ich planen einen Hausbau. Das ist für mich eine unglaublich spannende Sache, über die ich ebenfalls gerne berichten möchte.

Und wenn zwischen dem einen und dem anderen Post ein paar Wochen liegen, dann ist das eben so.

Wenn ich es nicht schaffe, pünktlich zu Weihnachten fünf neue Plätzchenrezepte zu posten, dann ist das so.

Der Mai ohne Erdbeerrezept? Tja, dann ist das so.

Kein Ofenkürbis im Herbst? Ja, ihr könnt es euch denken: Dann ist es so.

Ich möchte wieder ungezwungener unterwegs sein. Urlaub machen, nett Essen gehen, tolle Momente erleben, ohne dabei direkt die Kamera zücken zu müssen, weil alles jetzt sofort verbloggt und mit der Welt geteilt werden muss. Ich möchte meine Familie, Freunde und allen voran meinen Mann nicht ständig nötigen müssen, die Finger vom Essen zu lassen, weil Madam-Bloggerin erst ein social-media-taugliches Bild davon machen muss. Und wenn ich ein Bild mache, dann vielleicht auch einfach nur für mich und meine „Memories in a box“, auf die ich voller Glück am Jahresende zurückblicken kann.

Das Beste am Bloggen

Zum Schluss möchte ich aber zu dem kommen, warum ich diesen Blog überhaupt angefangen habe und was diesen Blog ausmacht: Ihr, die Leser!

Ich habe in der Vergangenheit wirkliche viele furchtbar tolle Leser gewonnen! Es war nicht ein Leser dabei, der sich beschwert hat, warum ich schon sechs Wochen nichts mehr gepostet habe. Im Gegenteil. Es kamen Nachfragen, ob alles okay sei, weil man nichts mehr von mir liest. Es ist fantastisch, sich mit euch auszutauschen. Es ist unglaublich, welches Feedback man von euch erhält (z. B. ein Post, der mittlerweile über 40.000 Mal aufgerufen wurde (ihr seid verrück!)). Ich bin unendlich dankbar, für jeden einzelnen von euch.

Jemand hat mal sehr schön treffend gesagt: Mein Blog – meine Party! 

In diesem Sinne, seid ihr also auch weiterhin herzlich eingeladen, mich auf meiner Party 20170101_140357-01hier zu begleiten. Die Party wird künftig nur eben ein wenig entspannter, ungezwungener und nicht mehr so häufig stattfinden (wir werden ja alle schließlich
nicht jünger und brauchen von Party zu Party mehr Zeit, um unsere Akkus wieder aufzuladen 😉 )

So, jetzt hab ich mich genug ausgekotzt und rumgejammert. Das Leben kann jetzt wieder weitergehen…

Alles Liebe

Katrin

7 Kommentare zu „Bloggen ist anstrengend

  1. Liebe Katrin!
    Das ist ein toller Beitrag. Du sprichst mir aus dem Herzen. Bloggen sollte nicht in Stress und Zwang ausarten, sondern Spaß machen. Ich stehe noch sehr am Anfang und habe selbst seit einigen Monaten nichts mehr gepostet, weil die Gesundheit und ein neues Familienmitglied dazwischen kamen und ich meine Freizeit natürlich lieber mit meiner Familie verbringe als am Computer!
    Ich finde es toll, dassdu so ehrlich zu diesem Thema schreibst!
    Liebe Grüße von Nadja

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  2. Hach!
    Noch jemand mit der Blogmüdigkeit! Kann es sooooo sehr nachvollziehen…. Ganz liebe Grüße und viel Freude mit der eigenen Party! 🙂
    LG, Frauke

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  3. ich hab mich schon bevor dieser mega bloggerhype angefangen hat aus der perfektionisten-szene zu verabschieden. mein blog ist meine spielweise und der ort, wo ich die seiten ausleben kann, für die in der realität wenig raum ist, weil alles andere keinen spaß macht und sich schnell die sinnfrage stellt. ich hoffe für dich, dass du diesen weg für dich auch findest, vor allem, wenn der zusatzverdienst für dich nicht essentiell ist. es ist ein wunderbares gefühl, die selbstbestimmung über seine webpräsenz wiederzuerlangen und genau das zu zeigen, was einem spaß macht und wie es einem spaß macht. so wie schnee und eis im sommer 😉

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  4. Ein super Beitrag, dem ich voll zustimmen möchte. Ich schreibe , was und wann es mir Spaß macht und nur deshalb. Ich habe bisher auch noch nie daran gedacht Geld damit zu verdienen, darum mache ich das auch ganz ohne Druck.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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